Günther
Hornig

Vita

05.03.1937
Geboren in Bitterfeld.
1954 - 1956
Theatermaler am Landestheater in Halle (Saale).
1956/57
Bühnenbildassistent am Landestheater in Potsdam.
1957 - 1962
Studium der Malerei/Grafik an der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) Dresden. In dieser Zeit Studienreisen in die Tschechoslowakei und Bulgarien.
1962/63
Werkvertrag als bildender Künstler (Reifenwerk und Baumwollspinnerei Riesa), freischaffend.
Eingezogen zum Reservedienst in die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR.
Einzug in das Künstlerhaus in Dresden-Loschwitz.
1962 - 1970
Figurative Malereien und Übergang zur abstrakten Malerei und erste Collagen.

Als malender Künstler steht Hornig in der Malerei-Stadt Dresden immer abseits der in seiner Stadt tätigen Künstlerkollegen, denn Malerei bedeutete hier wie nirgend sonst: Malerei mit Ölfarbe. Und die kleinen teuren Tuben Ölfarbe kann sich der Künstler, der auch eine junge Familie zu ernähren hat, nicht leisten.
Die anfänglichen Experimente mit preiswerten Mitteln entwickelten sich im Laufe der Zeit allerdings zum Stil, werden Bestandteil des künstlerischen Schaffens. Und die stete Unbefangenheit neuen, auch ungewöhnlichen Materialien gegen¬über, verleiht seiner Kunst bis heute die lebendige Kraft immer neuer Innovation; diese werden allerdings stets über das Stadium des Versuchs hinaus geprüft und entwickelt und immer sind Bestand haltige Werke ihr Ergebnis!

Hornig erhebt die „Störung“ (nicht: Zerstörung), die „dé-collage“, zum Prinzip seines Schaffens, in diesem Prozess des Tuns „findet“ er zu neuen Formen Ausdrucksmitteln, Inhalten und Aufgaben, aus denen sich neue Entwicklungen formulieren.
1963 - 1966
Aspirantur an der HfBK Dresden. In dieser Zeit Studienreisen nach Ungarn und Polen.
1966/67
Malsaalvorstand mit Bühnenbildverpflichtung am Theater Senftenberg.

Die 1965 in München gegründete Künstlergruppe "Geflecht" um Hans Matthäus Bachmayer, Reinhold Heller, Florian Köhler, Heino Naujoks, Helmut Rieger, Helmut Sturm, HP Zimmer und deren „Antiobjekte“ sind Hornig Anregung für neues Denken und Tun. Nah sind ihm die von der Gruppe verwendeten einfachen Materialen, Pappkarton, Holz, Blech und Draht; sie finden ihre Entsprechung in seinem bisherigen künstlerischen Schaffen. Aber die gestalterischen Kennzeichen der Antiobjekte, vorwiegend geschwungene, kreis- und spiralförmig von der Grundfläche dynamisch in den Raum ausgreifende, in leuchtend bunte Farben gefasste, auch miteinander verflochtene Formen (gleichsam visueller Ausdruck des Gruppennamens) weisen ihn auf eine neue mögliche künstlerische Auseinandersetzung hin.
1967/68
Fachlehrer für Grundlagenstudium (Fachschulfachrichtung) an der HfBK Dresden.
1967
Heirat mit Hannelore Schulze, Lehrerin.

Ausstattung einer Schauspielinszenierung in Senftenberg Theater der Bergarbeiter.
1968 - 1988
Lehrer im Hochschuldienst für Grundlagenstudium im Fachbereich Bühnenbild der HfBK Dresden. Erneut Einzug zum Reservedienst in die NVA der DDR. Einführung der Raumseminare für Studenten des Fachbereichs Bühnenbild. 1970 Geburt des Sohnes und 1975 Geburt der Tochter.

Von Studenten wird die von Hornig gepflegte, reflexive und offene Art der Lehre („Eure Innovation liegt im Abfalleimer!“) dankend an- und aufgenommen; im Bewusstsein der Kunstgeschichte und ihrer Protagonisten herrscht in dieser Abteilung der Akademie ein bewegtes Klima des Kunst-Experiments.
1970
Seit 1970 zeichenhaft malerische abstrakte Kompositionen und Collagen, amorphe Materialbilder, Reliefs und Assemblagen. Seit den achtziger Jahren serrielle farbige Materialbilder. Raumgreifende Schichtungen, zunächst aus amorphen Material. Seit Mitte der achtziger Jahre konkrete Malereien und Objekte.
1973
Trickfilmstudio Dresden, Trickfilmgestaltung: "Mein - Dein - Unser".
1975
Seit Mitte der siebziger Jahre Einzelausstellungen in Berlin und Dresden sowie Ausstellungsbeteiligungen.
Bildkünstlerische Konzeption für das Neubaugebiet "Bautzen - Gesundbrunnen". Ausgestellt zur Bezirkskunstausstellung.
1976
Theater Schwerin, Schauspielausstattung: "Wie der König zum Mond wollte".
1977
Gestaltung einer Wandfläche der Betriebsgaststätte des Neubaukomplexes der Brauerei Dresden-Coschütz.
1978
Glasfenstergestaltung einer Polytechnische Oberschule (POS) in Dresden-Neustadt.

Konzeption eines Glasfensters für die Gaststättenfasade des Wohnungsbaukomplexes Görlitz-Nord.

Erarbeitung von Gestaltungsvarianten von Sichtflächen aus Betonelementen der Baureihe SKBS 75 (Institut für Stahlbeton Dresden).
1980
Ein Jahr Mitarbeit an der Gestaltung des Theatervorhanges der Semperoper Dresden (wegen Krankheit ausgeschieden).

Konzeption für eine Farbgestaltung des Innenanstrichs im Internat der Körperbehindertenschule Fischhausstraße Dresden (ausgeführt 1981).
1982
Gestaltung einer Seilplastik in Schwerin "Großer Dreesch" auf einer Freifläche für das Kinderheim, Schule und Internat.
1984
Konzeption für eine künstlerisch-ästhetische Umweltgestaltung in Königswartha (bei Bautzen).

Konzeption für eine künstlerisch-ästhetische Umweltgestaltung in Weigsdorf-Köblitz.
1985
Seit Mitte der achtziger Jahre konkrete Malereien und Objekte.

Farbkonzeption für einen großen Garagenkomplex der LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) Striegnitz-Meißen.

"Bautzen Gesundbrunnen", Neubaugebiet Bautzen
POS-Freifläche, große plastische Gestaltung.
1986
Konzeption für eine künstlerisch-ästhetische Umweltgestaltung für Meißen-Bohnitzsch.
1987
Konzeption für eine große Brunnengestatlung im Neubaugebiet Heidenau-Mügeln.

Konzeption für eine plastische Gestaltung für ein Feierabendheim in Dresden-Friedrichstadt.
1988
Dozent (Leiter des Grundlagenstudiums) in der Abteilung Bühnenbild an der HfBK Dresden.

Hornig gibt den Anstoß für neue Reflexionen über Kunst und regt die Experimente mit Performance-Kunst an; er ist Mentor für die Dresdner Gruppe der „Perforationsartisten“, Micha Brendel, Else Gabriel, Rainer Görß und Via Lewandowski.

Hier im bildnerischen Bereich der Bühnenabteilung der Akademie, der in der Güntzstraße auch räumlich vom Hauptsitz der Akademie entfernt lag, waren die Gestaltungsmöglichkeiten weniger unter Aufsicht und die Freiräume entsprechend größer, auch unterhielt die Bühnenabteilung regen Kontakt zu anderen Bühnen- und Theaterschulen, u.a. der Ernst-Busch-Schule Berlin, und pflegte ein Netzwerk nationaler und internationaler Kontakte.

Als Ende der 1980er Jahre die Schule wegen der als skandalös betrachteten Künstler-Performances ihrer Studenten geschlossen zu werden drohte, half der Hinweis auf das Theater-Studium, dem die Erprobung neuer Darstellungsmöglichkeiten geschuldet sei; die Schließung konnte mit dem Hinweis: „Das gehört doch zum Theater!“ abgewendet werden.
Die neuartigen Reflexionen und Versuche zur Kunst entsprangen natürlich dem Zeitgeist. Aus Vorsicht und um den Parteifunktionären nicht unter die Augen zu geraten fanden diese Auseinandersetzungen im Keller der Hochschulkräume in der Güntzstraße statt. Und aus Furcht vor der Obrigkeit wurden die Performances leider auch nicht dokumentiert, weder fotografiert, noch gefilmt, noch schriftlich protokolliert – was aus heutiger Sicht äußerst bedauerölich ist!
1993
Professor für Malerei/Grafik im Fachbereich Freie Kunst an der HfBK Dresden.

"Kunstwaggon" in Chemnitz-Hilbersdorf.
1996 - 1999
Dekan im Fachbereich 1 an der HfBK Dresden.
1996
Große Innenhofgestaltung im Sächsischen Staatsministerium der Justiz in Dresden.
2000
Wandgestaltung im Bürogebäude (Foyer) in der Semperstraße 1 in Dresden.
2002
Beendigung der Lehrtätigkeit an der HfBK Dresden.
Fortan lebt und arbeitet er in Dresden im Künstlerhaus in Loschwitz.
2015
Mit aktiver Unterstützung des Künstlers beginnt die Arbeit am Werkverzeichnis zum Oeuvre. Ein erstes Konvolut von über 3.500 Zeichnungen und Collagen wird erfasst, erste Werke werden fotografiert und auf www.kunst-archive.net publiziert.
2016
Günther Hornig verstirbt am 11. September in Dresden.
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